Alle Artikel von Maximilian Dorner.

Sehnsucht nach nirgendwo

Im Sommer kommt es mich manchmal hart an. Wenn am offenen Fenster die Fahrradfahrer vorbei radeln, vielleicht sogar freihändig, ein Badetuch und einen Fußball auf den Gepäckträger geklemmt, in einer Hand ein Eis oder das darin festgewachsene Handy. Dann überlege ich, wo sie wohl hinfahren, zur Isar oder in eines der Freibäder? Ob sie wohl [...]

Infusionsgedanken

Es ist wieder einmal so weit. Ich lege mich auf die Liege und zerreiße dabei wie immer die dünne Papierauflage. Während ich warte, bis die Arzthelferin das Kortison aufmischt, rechne ich hoch, die wievielte Infusion das denn nun sein könnte. Doch kurz bevor ich zu einem Ergebnis komme, hält sie das Fläschchen triumphierend in die [...]

Wie geht’s?

Immer wieder ist es dasselbe. Ich raffe mich nach zermürbendem innerlichen Hin und Her (Schaff ich das? – Stell dich nicht so an!) schließlich auf, zu einer Party zu gehen und bestelle das Taxi. Sobald ich dann endlich am Ort des Geschehens bin, sind die Skrupel von vorher bereits vollkommen vergessen.
„Schön, dass du da bist“, [...]

Sommermeditation

Seit einigen Jahren schon beschäftige ich mich mit der Münchner Volkssängerin Bally Prell. Vor vier Jahren wollte ich sogar einen Roman über sie schreiben. Ihr verdanken wir eines der schönsten Lieder über die Stadt an der Isar („Du schöne Münchner Stadt, sei tausendmal gegrüßt“ – viele, ich auch, können es nicht ohne Tränen in den [...]

Rollstuhl, die dritte. Ein halbes Jahr später

Ein halbes Jahr wohnt nun der Rollstuhl als Untermieter in meinem Schlafzimmer, mehr oder weniger gut hinter einem Regal versteckt. Aber trotz der Nähe hat sich keine tiefe Freundschaft entwickelt, eher ein Zweckbündnis. Bei meinen Ausflügen mit ihm pendle ich immer wieder zwischen: „Läuft doch prima!“ (gerade in Bahnhöfen oder in einem Museum bin ich [...]

Über Verzweiflung

Manchmal reicht ein Satzfetzen im Radio, und mir stehen die Augen voller Tränen. Eben wieder war es die Formulierung “übers Wasser gehen”, in einer Sendung im Radio. Sie hat etwas in mir zum Schwingen gebracht, und oft in solchen Situationen, ist Verzweiflung von Hoffnung nicht klar zu unterscheiden.
Aber über Verzweiflungsanfälle – oder soll man nicht [...]

Welt-MS-Tag, misslungen?

Wer erinnert sich noch daran? Vorletzten Mittwoch wurde der Welt-MS-Tag – ja was eigentlich: gefeiert? begangen? Am besten trifft es wohl, wenn man sagt, er wurde ausgerufen. Proklamiert. Und teilte das Schicksal von vielem, was tagein tagaus so verkündet wird. Er verhallte. Irgendwo im Diffusen, Unerhörten. Ein Mit-Betroffener schrieb mir wenige Tage später, wie sehr [...]

Ratschläge an einen Neuerkrankten

Unlängst hat mich ein Neuerkrankter angeschrieben, mit einer ganzen Liste an Fragen rund um den Dämon. Er wolle gleich von Beginn an alles richtig machen: Medikamente, Therapie, Ernährung, den richtigen Doktor … Ich war ratlos, was ich ihm antworten sollte. Schließlich habe ich mich dazu entschieden, ihm meine Wahrheit zu schreiben. Dass man mit diesem [...]

Die Krankheit der anderen

Auch nicht-ansteckende Krankheiten sind ansteckend. Sie breiten sich eben nicht nur im Körper des Betroffenen aus, in seiner Seele, seinem Denken, sondern springen über auf all die Menschen, die mit ihm enger verbunden sind. Diese Partner, Verwandte, Freunde, Kollegen trifft sie genauso. Und wegen deren eigenen Krankheiten, Erinnerungen, Narben, Ängsten bricht sie bei jedem von [...]

Lourdes im Kino

Beinahe habe ich es als Verpflichtung empfunden, den Film anzusehen. Wenn schon mal der Versuch einer künstlerischen Umsetzung mit meiner Krankheit gewagt wird, dann muss ich da hinein, mir zumindest eine Meinung bilden. Also, auf nach „Lourdes“. Nach dem Trailer im Internet nehme ich mir fest vor, nicht mit besserwisserischer Kennermiene und verschränkten Armen zu [...]

 
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