Fernweh und Reiselust, Teil 8 – Auf dem Lykischen Weg

Demre, Türkei, 18. Januar 2012
Nach all den Abenteuern lassen wir es gerade ganz ruhig angehen und schleichen ein paar Kilometerchen auf dem Lykischen Weg. Schleichen? Naja. Wir sind recht langsam unterwegs, dafür, dass mit meinen Beinen alles in Ordung ist. Im Allgemeinen kann man sagen, dass wir die für eine Etappe anberaumte Zeit mal Vier nehmen, um auf die Zeit zu kommen, die wir uns dafür nehmen… aber was sollen wir auch durch die Berge und Ruinen und Buchten hetzen, wo es doch überall so viel Tolles zu entdecken gibt… und wir sowieso die Zeit haben, uns die Zeit zu nehmen. Mir war davor gar nicht klar, dass manche dieser geschichtsträchtigen Orte, deren Namen man so gut im Ohr hat hier auf der Strecke liegen. Gerade schreibe ich aus Demre, der Stadt, die den Heiligen Nikolaus für sich beansprucht – mit dem ulkigen Nebeneffekt, dass einen hier von jeder Mülltonne und Straßenpolizistenuniform ein fröhlicher Wehnachtsmann angrinst.

Da haben wir den 24.12. bei den wirbelnden Derwischen in Konya verbracht – es ist doch wieder alles anders gekommen und Istanbul ist vom Plan gerutscht – um jetzt Mitte Januar doch noch die Jahresdröhnung Weihnachtsmänner abzubekommen. Meine Schwiegereltern und meine Schwägerin haben uns auf der Reise “besucht” und die Medikamente an die Mittelmeerküste gebracht, wo wir noch ein paar schöne Tage zusammen hatten… zwar ein arger Kulturschock für uns, All-Inclusive-Urlaub und ein wahrlich absurdes Zwangs-Galadinner (*) zu Sylvester (feierlich erschienen in dreckigen Trekkingklamotten), aber das Wiedersehen war trotzdem sehr gelungen! (*: Erklärung dazu: es gab keine andere Möglichkeit, in diesem Hotelkomplex am 31.12. abends Essen zu bekommen…) Seit dem 1. Januar sind wir jetzt also zu Fuß auf dem Weg Richtung Fethiye, wieder vollkommen frei und ungezwungen, decken uns in den kleinen Dörfchen auf dem Weg mit Nahrung für die nächsten vier Tage ein und sind dann erstmal unterwegs. Störrisch wie wir sind hat uns auch eine Woche Dauerregen nicht in ein Hotel zwingen können – zwischenzeitlich war wohl alles irgendwann mal nass. Hagel? Na dann setzen wir uns kurz unter eine Isomatte und warten eben. Komisch, dass wir trotzdem die ganze Zeit fröhlich waren… oh, nächtliche Schuhrückvernässung!? Der Sturm hat den Regen ins Vorzelt getrieben… na ja dann sind sie eben wieder nass. Kenn ich doch noch von gestern, dieses Gefühl. Wenigstens ein Frühstück ohne Regen, außerdem ist es halbwegs warm, ist doch herrlich… und nachher scheint sicher die Sonne. Bodenloser Optimismus… Inzwischen ist es zwar sonnig, gibt aber Nachtfrost – in der Kombination geht das auch wieder. Die Medis sind schließlich auch frostsicher verpackt… und immerhin haben wir bei all den etwas widrigen Bedingungen bisher den ganzen Weg für uns gehabt, in Frühling und Herbst ist es hier wohl halbwegs überlaufen. Verständlich, es ist wirklich unglaublich schön hier…

Und man fühlt sich gar nicht mehr weit weg, irgendwie… ob das an den vielen Begegnungen mit deutschen Rentnern und Deutschtürken in den Dörfern an der Küste liegt? Na ja, auf unseren Etappen zwischendurch haben wir bisher jedenfalls nur Wildschweine getroffen, die sehr undeutschwildschweinig zutraulich waren. Nächtliches Topfschlagen hat sich ein bisschen bewährt, aber eigentlich lässt die sogar das kalt… was schnauft da in der Nacht neben dem Zelt? Jedes deutsche Schwein wäre schon längst getürmt, bei dem Krach, den wir beim Lageraufbau machen; die hiesigen Schweine sind eben sehr neugierig. Angeblich werden sie zwar bejagt, wenn auch nicht gegessen, schließlich sind sie ja auch für die Bauern bzw. deren Felder gefährlich… hier dürfte es jedenfalls sehr leicht sein, sie zu jagen. Man legt sich ins Gebüsch und wartet, bis sie kommen…

Ansonsten haben wir faunistisch noch nicht die Hauptattraktionen angetroffen, bis auf ein kleines Chamäleonskelett und etwas Stachelschweinkacke am Weg vielleicht. Die vermeintlichen Wolfspuren in den Bergen könnten auch von Hunden stammen… und was die Botanik betrifft, stückeln wir uns unser Wissen etwas zusammen und stocken die Vorräte mit Erdbeerbaumfrüchten, wilder Brunnenkresse, Kaktusfrüchten und Knuspersalbei auf. Leider ist mein Türkisch noch viel zu schlecht, um hinter die volksmedizinische Verwendung all der diversen angebotenen Kräuter hier zu kommen…

Wo genau wir den Februar verbringen werden, wissen wir noch immer nicht… aber wenn ich das nächste Mal ins Internet komme und die Zeit habe, ein Textchen zu schreiben (was sonderbarerweise trotz all der Zeit, die wir haben, wirklich nicht oft der Fall ist), werden wir wohl vielleicht schon dort sein. Wo das auch immer sein mag… das Leben bleibt spannend!

Hinweis: Alle Artikel von der Reise unserer Gastbloggerin Iris finden Sie in der Kategorie Fernweh & Reiselust.



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