Fernweh und Reiselust (1)
Bloggen – na gut, dann tu ich das jetzt eben auch. Wie ich dazu komme, das genau hier zu schreiben und warum auch ich jetzt unter die abertausend Blogger der Welt gegangen bin, wird sich hoffentlich in diesem meinem ersten offiziellen Blog-Eintrag (dafür gibt es sicher ein cooleres, internettaugliches Wort, das mir bislang nur noch nicht bekannt ist) der geneigten Leserschaft offenbaren.
Eigentlich hat es ganz simpel mit meinem Leben zu tun. So ist das wahrscheinlich meistens bei Blogs. Irgendwer schreibt irgendwas z.B. über das eigene Leben und andere Menschen lesen es. Voilà. In diesem konkreten Fall hier schreibe z.B. ich, dass ich seit 2003 mit der Diagnose MS lebe und für kommenden Herbst den Start einer „Welt“reise plane. Schließlich schließt das eine das andere nicht aus.
Die MS: Den ersten sicheren Schub hatte ich 2002, die Diagnose dann beim zweiten Schub ein Jahr später; sozusagen „klassischer“ Einstieg mit Sehnerventzündungen. Mit 17 Jahren hat man natürlich besseres zu tun, als so eine Diagnose zu bekommen, wobei das wohl in jedem Alter so ist. Jedenfalls geht seit dem eben auch die MS mit durch mein Leben. Manchmal meint sie, mir ein Bein stellen zu müssen, da kommt dann wieder irgendeine unglaublich unnötige und nervige ungute Veränderung bei heraus, irgendwas tut nicht mehr, wie es das eigentlich sollte und ich hänge mal wieder am Tropf. Zum Glück hat der Rest von mir bisher fast alles wieder geradegebogen, was die MS so verbockt hat. Nervding. Passt. Aber beeindrucken lasse ich mich nicht von ihr!
Kämpfen ist für mich in dem Fall auch Quatsch, obwohl ich gerne kämpfe, um Dinge zu ändern – dass ich MS habe, lässt sich aber eben nun mal nicht ändern, da würde jeder Kampf nur Kräfte verbrauchen, die woanders wesentlich sinnvoller investiert sind. In dem Fall bin ich tatsächlich fatalistisch… außerdem habe ich absolut keine Lust, mein Leben mit Selbstmitleid oder ähnlichem Käse zu überbacken.
Kleinere und größere Rucksacktouren in den letzten Jahren konnten Fernweh und Reiselust immer nur kurzfristig befriedigen, der Traum von einer „großen“ Reise – am Besten ein ganzes Jahr unterwegs sein! – begleitet meinen Mann und mich schon seit langem. Im Herbst ist er mit seinem Studium fertig und mein Arbeitsvertrag läuft zum 31.5. aus, Kinder haben wir noch keine – wann also, wenn nicht jetzt…
Die abstrakte gedankliche Vorbereitung tragen wir wie gesagt schon lange mit uns herum, vorsichtig konkreter sind wir damit wohl etwa im Sommer 2009 geworden, da habe ich viel herumtelefoniert und Emails verschickt, um grundsätzliche Möglichkeiten abzuklären. Zum Beispiel, ob ich irgendwo lernen könnte, mir selbst eine Infusion zu legen. Dass ich im Notfall auch mit Prednisolon-Tabletten weiterkommen könnte, und dass das weit weniger kompliziert ist, war so eine Erkenntnis dieser Zeit – eigentlich vollkommen logisch, man muss nur erst mal auf die Idee kommen. Wie verpflichtend die Kühlung der Medikamente ist, war eine andere Frage… das ist schließlich, auch wenn man einiges bei Rucksacktouren wunderbar auf körperliche Kräfte abstimmen kann, ein bisschen der Haken an dieser Reiseform: der nicht vorhandene rucksackeigene Kühlschrank. Es gibt wohl ein Buch, das vom Trampen mit Kühlschrank berichtet – der war aber wohl nicht angeschlossen und man hätte statt dessen z.B. auch mit einer Waschmaschine oder einem Klavier am Straßenrand den Daumen in den Wind halten können.
Bloghaus-MS Gastautorin: Iris
Geboren wurde ich 1986, 2003 bekam ich die Diagnose MS, 2008 habe ich geheiratet und arbeite seit 2009 als Pharmazeutisch-Technische Assistentin. So weit zu den Eckdaten. Mit dieser Krankheit zu leben bedeutet für mich nicht unbedingt irgendwie anders zu leben – gut, vielleicht fördert es so eine gewisse apokalyptische Grundstimmung. Und bringt ab und an sonderbare Ausfälle mit sich. Und die Sache mit den Spritzen. Dadurch zwar immerhin seltener Probleme, aber eben die immer wiederkehrende Konfrontation mit der Nadel. Wie man lebt muss wohl jeder für sich selbst herausfinden, ob mit MS, anderem doofen Kram oder gesunderweise – ich jedenfalls finde mein Leben wunderbar und da kann auch so ein Nerv-Ding nichts dran ändern.




Sylke
Sonntag, 29. Mai 2011 um 18:37 | Kommentar melden.
Hej Iris,
willkommen als Gastautorin im Blog. Ich freue mich auf weitere Artikel zu deinem Projekt “Weltreise”.
Ich finde den Mut, eine Weltreise zu planen, mit dem definitivem Ziel, diese auch in die Tat umzusetzen, großartig – mit oder ohne MS, ist doch egal. Respekt!
Viele Grüße,
Sylke
Charlotte Rudolf
Dienstag, 31. Mai 2011 um 00:04 | Kommentar melden.
Auf ins Abenteuer! Ich freu mich für dich und über deinen – euren – Mut.
Charly.
Dimi
Dienstag, 31. Mai 2011 um 09:53 | Kommentar melden.
Toitoitoi! Ich bin schon gespannt, wie ihr vorankommt und welche Erfahrungen ihr macht. Vielleicht kann ich hier und da einen hilfreichen Kontakt herstellen.
Dimi
Gertraud.Mossburger
Donnerstag, 30. Juni 2011 um 18:45 | Kommentar melden.
Finde ich super das ihr euch das möglich macht. Toi – Toi – Toi — eine wunderschöne Reise – das ihr viel erlebt und vorallem tolle Menschen kennen lernt
Beate
Mittwoch, 6. Juli 2011 um 21:51 | Kommentar melden.
Auch von mir: toller Blog!
UND: viel viel Spass bei eurer Weltreise, Respekt davor, dass Du Dich von der MS nicht be-hindern lässt und weiterhin viel Optimismus – denn der springt einen in deinem Blog förmlich an :-) Toll!! :-))
Lieben Gruß,
Beate
Maria Liksay
Dienstag, 11. Oktober 2011 um 22:32 | Kommentar melden.
Hab erst jetzt angefangen zu lesen und kann nicht aufhören.
Вперед! Avanti!
Maria