Aufwachen, Frau Schmidt!
Wer mich kennt, weiß, dass ich mich immer zurücksetze. Alles andere ist wichtiger, denn: Es geht mir ja gut! Im April fing es allerdings an, sich etwas zu verändern. Nicht schlimm, nur ein bißchen schwummerig und das nur ab und zu. Der Stress, klar. Neue Jobs, große Veränderungen, Stress und Hektik, die Erkenntnis, dass ich meine Selbständigkeit aufgeben werde und und und… Ich will gar nicht über alles so ausführlich berichten, sonst ist die Seite dicke voll. Im Mai war es immer noch so. Schwummerig, wie auf einer Wolke, hm…. Ein Baby ????? “Nein Frau Schmidt, Sie sind nicht schwanger”. Puh, das ist schon mal weg vom Tisch. Wäre ein paar Jahre zu spät, drum war ich sehr erleichtert. Dann hab ich wochenlang dieses Wolkengefühl ignoriert, war ja auch nicht so wild. Und jetzt ? Jetzt ist es so schlimm, dass ich zum Arzt gehe. Meine Hausärztin hat mich gleich mal zum Neuro geschickt. Als ich ihn heute angerufen habe – und ihr wisst ja, dass man beim Neuro schon mal ein bißchen länger auf einen Termin wartet – hies es: In zwanzig Minuten oder am Montag, SIE kommen DIESMAL SOFORT! Ups, er kennt mich halt auch schon 10 Jahre und sofort ist relativ… Von April bis Juli, wenns mal wieder ein bißchen länger dauert! Jetzt kann ich nicht mal ein Snickers drauf essen, weil der viele Zucker alles nur noch schlimmer macht. Also geh ich am Montag mal zum Arzt, denn in 20 Minuten von Ansbach nach Nürnberg geht nun mal nicht. Und wisst ihr was? Ich freu mich drauf. Denn es stört mich jetzt. Ich komm mir vor, wie in einem Karusell und wenn ich schon mal sage, es geht mir nicht gut. Jetzt weiß ich nicht, ob es vielleicht doch die verspannte HWS ist… Ich hoffe es so, denn alles andere würde mir meine positiven Gedanken nehmen. Den Gedanken, es geht mir gut, bei mir ist es nicht so schlimm und es wird auch so bleiben. Bin ich jetzt kurz vor der Erkenntnis, dass sich die Ärzte doch nicht getäuscht haben? Sind die 10 Jahre mit einer relativ “schlummernden” MS nun vorbei? Und ich habe Angst! Große Angst, dass jetzt, wo mein Leben durch meine große Liebe endlich vollkommen ist, alles anders kommt. Wird es so bleiben? Werde ich jetzt von meiner ständigen Begleiterin eingeholt und “lahmgelegt”?
Ich halte Euch auf dem Laufenden, ich schließe jetzt mit den besten Wünschen für Euch und lasse meine Tränen laufen, die sich mittlerweile in meinen Augen gesammelt haben. Vielleicht habe ich doch zu lange gewartet…
Achtet auf Euch, bitte!
Ulli



Beate
Freitag, 30. Juli 2010 um 11:16 | Kommentar melden.
Hey Ulli,
war mein Gefühl im Mai doch nicht so verkehrt… :-( Ich möchte lieber NICHT Recht haben.
Warte ab, was der Neuro sagt.. ich schicke Dir 1000 gute Gedanken!!!! Fühl Dich herzlich gedrückt von mir!!
Achte auch DU auf DICH bitte!
LG,
Beate
Bulskie (Michael)
Samstag, 31. Juli 2010 um 01:25 | Kommentar melden.
Hallo Ulrike,
ich sitze hier vor dem Kommentarfeld und will Dir etwas schlaues, etwas beruhigendes, etwas ermutigendes oder etwas helfendes schreiben. Es kommen mir aber nur Worthülsen und Allgemeinplätze in den Sinn. Also klare Worte:
Es wird Dir vielleicht schon gesagt worden sein, dass sich die weitere Entwicklung der MS, meistens in den ersten fünf Krankheitsjahren ausprägt. Ich glaube also nicht, dass Du jetzt in die Ängste bei der Diagnosestellung zurückfallen mußt. Bleib positiv.
“Es geht wieder vorbei!”
Du schaffst auch das,
Bulskie (Michael)
Stefan
Samstag, 31. Juli 2010 um 10:04 | Kommentar melden.
Liebe Ulrike,
ich weiß, dass wir uns nicht so nahe stehen wie Du und Beate oder wenn wir uns öfter in Natura sehen würden … aber ich muss ehrlich zugeben, dass mich Dein Artikel zum Einen sehr betroffen und zum Anderen viele schon einmal selbst durchlebte Gefühle in mir geweckt hat.
Deine Schilderungen bezüglich der Angst über die Ungewissheit über den Verlauf Deiner Zukunft fortan sind mir nur zu gut bekannt. Auch steckt vor 5-6 Jahren in einem echten seelischen Loch:
2-3 Jahre hatte ichzuvor schubfrei nach anfänglichen relativ “normalen” MS-Symptomen und deren vollständigen Heilung verbracht, ohne nur einen einzigen Gedanken an dieses Handicap meinerseits zu verschwenden.
Andere Pläne und Ziele gerieten schnell und bewusst in den Vordergrund und lenkten mich glücklicherweise ab.
Diese glückselige Phase ist bei mir nun doch schon einige Zeit her und ich habe seit nunmehr 5 Jahren mit immerwieder den gleichartigen Symptomen zu kämpfen, wie tägliche chronische neurale Schmerzen oder zunehmender Missempfindungen und daraus resultierenden Koordinationsstörungen.
Ja, das ist tatsächlich ein hartes Los und ich gönne Keinem!
ABER: (und das ist keine hohle Floskel !)
ES HÄTTE AUCH SCHLIMMER KOMMEN KÖNNEN !!
Ein Beispiel: Zwar habe ich meine Leidenschaft des Joggens in der Natur aufgrund der beschriebenen Koordinationsstörungen bis auf’s Erste komplett aufgeben müssen.
Trotzdem habe ich eine Alternative gefunden Natur und die von mir so sehr geliebte Bewegung in Einklang zu bringen: mit Nordic Walking.
Das mag für Dich auf den ersten Blick vielleicht keinen wirkliche Linderung versprechen, weil “man” ja doch an den geplanten und lang ausgefeilten Lebenszielen festhalten will … Aber es soll Dir verdeutlichen:
Auch mit einer mögliche positive Diagnose und die sich daraus ergebenden Konsequenzen für Deinen weiteren Lebensweg sind Deinen Wünschen und Zielen nach wie vor “Tor und Tür” geöffnet. Oftmals muss man möglicherweise auf kleine Details in der Lebensplanung verzichten, um das Große und Ganze (=> das was einem wirklich wichtig ist) zu retten / zu sichern.
ABER ES FUNKTIONIERT TATSÄCHLICH !
(Das ist meine eigene Lebenserfahrung.)
Ulrike, Du hast Dich mir im letzten August als sehr engagierte und zielbewusste attraktive Person vorgestellt. Deshalb bin ich mir ganz sicher:
Nach den ersten Tränen über die unschönen aktuellen Erfahrungen Deinerseits erwachsen in Dir relativ schnell neue motivierende und mitreißende Ideen, die Dir viel Mut für den weiteren Lebensweg geben. Da bin ich mir zu 99,9% sicher!
Und deshalb schließe ich mich den Worten von Michael an: “Du schaffst das!”
Ganz viele liebe Grüße aus Braunschweig,
Stefan *fühl’ Dich gedrückt*
P.S. Bin selbst seit gestern nach einer 5-tägigen Kortison-Stoß-Therapie (erneuter MS-Schub) etwas ratlos entlassen worden. … Aber: Das Leben geht weiter! Glück auf!