Welt-MS-Tag, misslungen?

Wer erinnert sich noch daran? Vorletzten Mittwoch wurde der Welt-MS-Tag – ja was eigentlich: gefeiert? begangen? Am besten trifft es wohl, wenn man sagt, er wurde ausgerufen. Proklamiert. Und teilte das Schicksal von vielem, was tagein tagaus so verkündet wird. Er verhallte. Irgendwo im Diffusen, Unerhörten. Ein Mit-Betroffener schrieb mir wenige Tage später, wie sehr es ihn geärgert hätte, dass die Medien – und gemeint waren die großen Fernsehsender und die überregionalen Zeitungen – davon überhaupt keine Notiz genommen hätten. Mit dieser Beobachtung hatte er sicherlich Recht. Aber, so frage ich mich seitdem, was wäre stattdessen wünschenswert gewesen? Welche Erwartungen sind legitim, welche realistisch an so einen Tag?

Ich gestehe ganz offen, dass ich nicht erwarte, dass jeder mündiger Deutsche weiß, was MS ist. Warum und weshalb da Nervenzellen kaputt gehen. Schließlich scheint es ja nicht einmal die Wissenschaft zu verstehen, und ich habe es nach vier Jahren nicht mal ansatzweise begriffen. Außerdem muss ich in meinem Krankheitsegoismus auch gestehen, dass ich selbst auch kaum etwas über andere schwere Erkrankungen weiß, und mich weder am Welt-Asthma-Tag noch am Welt-Malaria-Tag über den Verlauf oder die Therapie dieser fremden Krankheiten informiere. Die eigene und die von Freunden reicht mir schon. Um es noch zuzuspitzen: Ich finde es geradezu gesund, sich nicht mit allen Krankheiten dieser Erde auseinanderzusetzen.

Dennoch, natürlich, keine Beachtung zu finden, schmerzt. (Und ich weiß, wovon ich spreche: am besagten Tag saß ich selbst mit vier Mitdiskutanten auf einem Podium, um über MS zu sprechen. In einem Veranstaltungsraum, der für gut dreihundert Zuhörer bestuhlt war. In dem weiten Rund saßen aber nur acht Personen, von denen vier noch zu den Veranstaltern zu zählen waren …) Was ich mir also wünsche, von so einem Tag: nicht Aufklärung über die Krankheit, sondern eine Schulung in Achtsamkeit, eine Lektion in Zuhören und nicht in Belehren. Um den Abbau von Verkrampfungen im Umgang mit Behinderung voranzutreiben. Und das ist kein Welt-Irgendwas-Tag-Projekt, sondern eine Lebensherausforderung für jeden einzelnen Tag im Jahr.

NEU: Die Kolumne auch als Video bei Youtube!

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Die nächste Kolumne von Maximilian Dorner erscheint am 18. Juni.




2 Kommentare

  1. Thomas

    Samstag, 19. Juni 2010 um 08:12 | Kommentar melden.
     

    Hallo @all,
    gestern nach dem MWSpiel ist auf RTL Werbung für den Worldmsday gelaufen

    wohl schon für´s nächste Jahr.

    mfg

    Thomas

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  2. Friederike

    Samstag, 19. Juni 2010 um 12:11 | Kommentar melden.
     

    Thea, eine an Krebs erkrankte Verwandte, hat auf die Frage ” Wie geht es dir?” gern lachend geantwortet: ” Beschissen ist geprahlt, aber Humor ist, wenn man trotzdem lacht!”

    Hier in Kiel gab es zum MS-Tag eine Ausstellung des Cartoonisten Phil Hubbe mit seinen ” behinderten Cartoons”.

    Das war ein wirklich gelungener Beitrag zum Abbau der Verkrampfungen im Umgang mit Behinderungen!

    Dank an Phil Hubbe und Thea…
    Liebe Grüße aus Kiel von Friederike

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