Weihnachtsgeschichte
„Das können Sie sich alles verschreiben lassen.“ Die Verkäuferin zeigt mit der ausgestreckten Hand wie eine Zauberfee auf die ausgestellte Pracht und Herrlichkeit: Badewannenbretter, Haltegriffe, Einstiegshilfen, Lifter, kurz: alle Badefreuden für Behinderte sind in dem Musterbad versammelt, geschmückt mit glitzerndem Lametta. Bald ist Weihnachten. Und das Schönste: ich brauche nur zuzugreifen und schon gehört alles mir. Den Bestellblock hat die strahlende Verkäuferin bereits zur Hand. Sobald ich ihr meinen Wunschzettel – im Amtsdeutsch: die entsprechende Heilmittelverordnung – vorbeibrächte, würde sie sich mit dem Christkind ins Benehmen setzen und … schon ginge der ganze Behördenkram los, aber darum müsste ich mich nicht kümmern, das übernähme alles sie. (Während sie mich aufmunternd angrinst, überschlage ich, wie diese Hilfsmittel mein schwarz-weiß gefliestes Bad verunstalten würden. Aber seit ich mich in einem Hotel über eine stufenlos zugängliche Dusche mehr freue als früher über einen Whirlpool, kann ich mir solche Geschmacksallüren eigentlich nicht mehr leisten.) Heute sei ich erstmal nur zum Anschauen da, erkläre ich rückzugsbereit.
Einige Tage später wiederholt der vor mir sitzende Arzt, ebenfalls mit Nikolausstimme: „Ich verschreibe Ihnen natürlich alles, was Sie brauchen.“ Dann zückt er seinen Stift. Also gut: ein Badewannenbrett. Und einen Haltegriff, bitte. Beiläufig sagt der Arzt, dass es die ja auch in jedem Baumarkt gäbe, für einen Bruchteil des Geldes, dann allerdings nicht verschreibbar. Daraufhin bitte ich ihn, den Haltegriff wieder zu streichen, den könnte ich mir unter diesen Umständen auch selbst kaufen. Meine Begründung verblüfft ihn: „Ich koste meiner Krankenkasse doch schon genug. Und solange ich selbst genug verdiene, kann ich einen Beitrag leisten. Ich möchte auch im Nehmen Maß halten. Schließlich fordere ich das von meinem Dämon ebenso.“ – So etwas hätte er noch nie gehört, aber bitte, wenn ich darauf bestände …
Heute habe ich Badewannenbrett und Haltegriff im Internet bestellt. Auf eigene Rechung. Ein Geschenk für mich selbst. – Mit den besten Weihnachtswünschen an alle Leser! Ihr Maximilian Dorner




Beate
Samstag, 19. Dezember 2009 um 15:17 | Kommentar melden.
Na dann…. “Happy Christmas” oder so… ;-))
Nein im Ernst, Dir auch schöne Feiertage!!