Heimfahrt mit Hindernissen

Wow, es ist doch immer wieder beeindruckend, wie schnell die Zeit ins Land geht. Am 11.11.09 war unsere Reha vorbei. Was habe ich davon mitgenommen? Das Einmalkatheterisieren klappt jetzt viel besser, der Restharn wird auch schon weniger und der neue Rolli wird im nächsten Jahr geliefert.
Sonst ist aber vieles im Alltag untergegangen.
Ein bemerkenswertes Erlebnis hatte ich, als ich Anfang Dezember von einem Kurztrip nach Mallorca wiedergekommen bin.
Seit der Reha nehme ich ein Medikament, was mir beim „weniger müssen, müssen“ zur Nacht hilft (allerdings nicht das aus der Werbung, sondern etwas stärkeres). Jetzt hatte ich die glorreiche Idee, vor dem Flug prophylaktisch die doppelte Menge einzunehmen. So eine Mallorca Rückreise zieht sich ja immer so lang hin. Fahrt zum Flughafen 45 Min.. Warten im Flughafen 2 Stunden, Flug 2 Stunden. Auf den Koffer warten 40 Min.. Zum Flughafenbahnhof und nach Hause fahren 2 Stunden. Da kann die Blase ganz schön stören. Das Doofe bei so einer Selbstmedikation ist, dass die auch schwer nach hinten losgehen kann. In meinem Fall, hat die Blase einfach mal komplett mit der Arbeit aufgehört. Erst ist mir das nicht aufgefallen, aber als ich in Düsseldorf gelandet war und am Kofferband stand, konnte ich fast nichts mehr sehen und als ich dann am Flughafenbahnhof war, konnte ich auch nicht mehr laufen. Was hatte das denn mit meiner Blase zu tun? Fieber! Durch den Urin-Stau, bekam ich Fieber. Der Nachteil von Fieber in meinem Fall ist, dass ich sämtliche Ausfallerscheinungen der letzten 20 MS-Jahre gleichzeitig bekomme. Ich konnte nicht mal das richtige Gleis erkennen, geschweige denn, dahin laufen. Ich setzte mich also an eine Wand; auf den Boden, rief zuerst Sylke mit dem Handy an und dann, auf ihren Rat hin, die 112. Knapp 40 Minuten saß ich da, permanent liefen Leute an mir vorbei und keiner fragte, wie es mir geht. Als dann der Rettungswagen kam, wurde ich ins nächstgelegene Krankenhaus gebracht. Dort angekommen, wurde ich an einen Monitor angeschlossen und untersucht. Leider gab es in diesem Krankenhaus weder eine Urologie, noch eine Neurologie. Zwischendurch berichtete ich einem Pfleger von meinem Harnverhalt. Er drückte mir einen Einmalkatheter mit den Worten „Sie kennen sich ja aus“ in die Hand und verschwand. Nach 3 Stunden, inzwischen war Sylke mit ihrer Freundin Susanne gekommen, war immer noch nichts passiert. Ich ließ mich „gegen ärztlichen Rat“ entlassen. Susanne und Sylke fuhren mich in das 60 km entfernte Recklinghausen zurück. Dort brachten sie mich gleich ins Krankenhaus. Nach 3 Tagen Antibiotika und Dauerkatheter, konnte ich nach hause.
In der Zeit habe ich nachgedacht, warum mich am Bahnhof niemand angesprochen hat. Ich saß an einer Stelle, wo es nur zwei Richtungen gab, entweder hin zum Gleis oder weg vom Gleis. Ich wäre mir auch nicht aufgefallen.
Was habe ich gelernt?
Wie beim Weltklima, haben auch bei mir 2 °C Temperaturanstieg fatale Folgen und Medikamente sind halt keine Bonbons ;-).

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch ins Jahr 2010.

Michael



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