Schlechtes Gewissen ?
23. November 2009 von Ulrike
Jetzt wird es ganz offen und ehrlich !
Ich habe ein Problem, wenn ich unsere Artikel und Beiträge lese. Jetzt bin ich seit 9 Jahren selbst betroffen von der MS. Ich habe sie zwar erst spät “angenommen” und sie läuft bei mir so mit, trotzdem ist sie allgegenwärtig und eben immer da. Ich bin Gott sehr dankbar, dass es mir damit gut geht. Ich habe keine bis kaum Beschwerden, meine Schübe sind alle vollständig zurückgegangen, ich habe an den letzten sogar nur wenig Erinnerung, weil es schon so lange her ist….
Ganz ehrlich, ich habe Euch gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil es mir so viel besser geht.
Ich will es Euch nur wissen lassen und hoffe, dass ihr es nicht falsch versteht !



Stefan
Montag, 23. November 2009 um 19:46 | Kommentar melden.
Liebe Ulrike,
auch mir geht es oftmals so, wenn ich mich mit den Teilnehmern unseres Stammtisches für junge und jung gebliebene MS-Betroffene vergleiche. Viele Teilnehmer haben bereits körperliche motorische “Einbußen”. Dennoch fühle ich mit Ihnen und hoffe tagtäglich, dass ich nicht dasselbe gesundheitliche Schicksal mit ihnen teile.
Und genau das ist meiner Meinung nach der springende Punkt, Ulrike.
Sicherlich geht es uns im Moment und höchstwahrscheinlich in Zukunft besser als vielen MS-Betroffenen in unserem Alter. Die Hoffnung hierbei ruht natürlich auf die künftigen Errungenschaften der medizinischen Forschung im Bereich MS.
Aber niemand kann in die Zukunft schauen und uns zusichern, dass die Krankheit uns nicht doch noch einmal “einholen” wird.
Damit besitzen wir ein erhebliches Mehr an Risiko als der Rest der “gesunden” Bevölkerung.
Letzten Endes ist es oftmals so, dass jeder selbst sein Leben leben muss und nicht auf Hilfe des Gegenüber zählen sollte. So schlimm das auch immer ist!
Deshalb ist die Gemeinschaft unter uns MS-Betroffenen, z.B. hier im Webblog oder in einer SHG bzw. in einem Stammtisch, etwas Besonderes. Wir kümmern uns um die Teilnehmer. Z.B. mit Hilfe zur Selbsthilfe oder mit kleinen aber wichtigen Gefälligkeiten (Ratschlägen oder andere Denkansätze)
Und genau diese Hilfestellung lässt Du in unserem Webblog Anderen zukommen und umgekehrt.
Das ist es doch wofür es sich lohnt, oder?!
Viele Grüße aus dem regnerischen Braunschweig,
Stefan
Isabel
Dienstag, 24. November 2009 um 00:39 | Kommentar melden.
Liebe Ulrike,
tatsächlich hatte ich kürzlich bei der Lektüre des Beitrags (nicht von Dir!) eines offensichtlich ”wenig Betrofffenen’ ein blödes Gefühl. Meine Gedanken gingen so in die Richtung “der weiß überhaupt nicht, was ein Leben mit realen Einschränkungen bedeutet”.
Ich persönlich besuche das Bloghaus MS, weil ich große Probleme damit habe, diese Einschränkungen zu akzeptieren und v.a. mit der Vorstellung umzugehen, dass sie ja wahrscheinlich immer gravierender werden. Da tut es mir gut, von anderen Betroffenen zu lesen, was die für Gefühle haben und wie sie mit denen umgehen, wie sie klar kommen, was sie vielleicht tun, um mit den typischen, mit MS einhergehenden Problemen zurecht zu kommen. Und es tröstet mich auch, zu wissen, dass es anderen Menschen ähnlich (schlecht) geht wie mir,
Ich finde Deinen letzten Eintrag unheimlich sympathisch und bin weit davon entfernt, Dir zu raten, das Bloggen zu MS doch den ‘ernsthaft Betroffenen’ zu überlassen. Aber mir gefällt, dass Du dieses Thema mal ansprichst, denn mich hat es tatsächlich bewegt. Ich wüsste gerne wie die anderen darüber denken.
Herzlich
Isabel
Beate
Dienstag, 24. November 2009 um 12:44 | Kommentar melden.
Liebe Ulli,
mir geht es wie Dir. Wie Du weißt, bin ich auch nur “leicht betroffen” und habe noch keine sonderlich großen Einschränkungen – NOCH!
Denn wie Stefan schon geschrieben hat, kann niemand in die Zukunft blicken und niemand weiß, was alles noch so auf uns zukommen wird.
Ganz ehrlich, ich hatte auch schon manches Mal ein schlechtes Gewissen. Aber das ändert auch an der Situation des anderen nix – natürlich ist Mitgefühl nicht verkehrt. Aber aus Mitgefühl sollte kein Mit-Leid werden, das hat ein wenig so den Hauch “von oben herab”.
Jeder Mensch ist ein eigenständiges Individuum, manche haben es vermeintlich gut im Leben erwischt, andere nicht.
Sich darüber zu grämen vertreibt zwar die Zeit, verbessert die Situation aber nicht wirklich – egal in WELCHER Situation man ist.
Daher gefällt mir unser Blog auch deshalb sehr gut, weil er eben von verschiedenen Persönlichkeiten geschrieben wird und verschiedene Aspekte, Erfahrungen, Lösungsmöglichkeiten und Empfehlungen angesprochen werden..
Die Vielfalt macht´s und ich glaube, das treffen wir hier ganz gut.
Ich wünsche allen eine gute Zeit und eine ordentliche Portion Gesundheit (im Rahmen des Möglichen!).
Lieben Gruß,
Beate
- stay tuned! -
Sylke
Sonntag, 6. Dezember 2009 um 19:30 | Kommentar melden.
Hallo Ulli,
auch nach 17 Jahren MS geht es mir, was sichtbare, körperliche Defizite angeht, noch richtig gut, daher kann ich dich gut verstehen.
Jedoch definiert sich MS ja nicht nur dadurch, dass man nach außen hin offensichtlich an einer Krankheit leidet. Die Diagnose stellt immer das komplette Leben auf den Kopf, sie muß ersmal verkraftet werden – nicht nur von einem selbst, sondern auch von der Familie und Freunden – und man muß lernen mit ihr auszukommen. Manchmal eröffnen sich gerade durch die Erkrankung und damit verbundener Einschräkungen neue, positive Wege. Muß es einem Rolli-Fahrer oder jemanden mit einer sichtbaren Spastik wirklich nicht gut gehen? Auch wenn man keine oder nur geringe körperliche Defizite hat, spielt sich die MS (häufig unbewusst), auch auf der psychologischen Ebene ab. Ist das weniger bedeutsam? Sie ist halt ein ständiger Begleiter. Ein schlechtes Gewissen gegenüber anderen Kranken oder uns Bloggern ist meiner Meinung nach überhaupt nicht notwendig. Du kennst uns doch, oder?
Viele Grüße,
Sylke