Hilfe = zeitweilig Stress pur!
Liebe Mit’BLOGGERINNEN und Mit’BLOGGER,
seit nunmehr 2 Wochen leben Nicole und ich in eher einer Abstellkammer gleichenden Wohnung:
Nachdem vor 1 Woche das Parkett in der 3-Zimmer-Wohnung ersetzt wurde und wir die Probleme mit der Möbel-Unterbringung so einigermaßen unter “Dach und Fach” gebracht haben steht nun der Aufbau des neuen Schlafzimmers an.
Dabei ist dies gar nicht so ein Problem, da dies die Lieferanten der Möbelfirmen übernehmen. …
Vielmehr ist die Tatsache, dass die Eltern meiner 37jährigen Freundin immernoch ein Mitspracherecht beim Aufbau der Möbel erzwingen immerwieder ein Punkt der nervenaufreibend wirkt. (Hintergrund: Dem Vater von Nicole gehört die Eigentumswohnung. Er lässt seine Tochter allerdings hierfür Miete zahlen. Aus steuerlichen Gründen. ?!)
Das verursacht nicht nur bei Nicole sondern auch bei mir ziemlich viel Unruhe und Stress.
Sicherlich meinen die Eltern meiner Freundin es nur gut und wollen ihr bei wichtigen Entscheidungen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Das ist ja eigentlich positiv. Wenn sich da nicht immer wieder diese abgedroschenen Phrasen bei der Familie von Nicole mit ins Gespräch mischen und wiederholen würden:
“Wir kennen doch Deine Krankheit. – Stell’ Dich nicht so an!” oder “Du hast ja die Krankheit immernoch nicht angenommen!”
Es nervt extrem diese Äußerungen immerwieder zu hören. Zum Einen, weil es sich hierbei um Unverständnis und Halbwissen der Angehörigen handelt, die sich allein durch ihre medizinische Ausbildung darin bestärkt sehen und sich immerwieder profilieren wollen.
Zum Anderen weiß ich aber auch, dass Nicole, die ja von Beruf selbst Apothekerin ist und ihren Beruf nicht mehr ausüben kann, nach dem Zusammentreffen mit ihren Familienangehörigenjedesmal nervlich fast am Ende ist und das Unverständnis der eigenen Familie nicht fassen kann.
Die Eltern hingegen verweisen indirekt auf den ehemaligen demenziellen Zustand von Nicole, welcher durch mehrere MS-Schübe ausgelöst im Gehirn ausgelöst worden war.
Es ist anzunehmen, dass sie mit einem Rückfall dieser kognitiven Störung bei ihr rechnen und deshalb ein “Sicherheitsnetz” um sie spannen wollen. … Ohne zu erkennen, dass Nicole sich in der Zeit unserer Partnerschaft stabilisiert und ihr geistiger Zustand stark gebessert hat.
Da ihnen auch bekannt ist, dass ich auch nicht vollkommen gesund bin und nur in Teilzeit arbeite, habe ich persönlich das Gefühl von ihnen nicht als 100%ige Stütze für ihre “kranke” Tochter angesehen und anerkannt zu werden. Allerdings tun sie auch nichts gegen diese Vermutung meinerseits.
Das treibt Nicole dann auch ein ums andere Mal “auf die Palme”! Das sorgt natürlich auch für Unfrieden und Unzufriedenheit zwischen uns und fördert die schnelle Ermüdung (Fatique).
So, das musste ich jetzt auch mal loswerden. :-)
Wenn Ihr Anregungen oder Fragen hierzu haben solltet, würde ich mich über Euer Feedback freuen!
P.S. In der neuen Ausgabe der ms-Dialog (Patientenzeitschrift von Merck-Serono) sind wir sogar auf den letzten Seiten kurz abgebildet. :-)
Viele Grüße aus dem regnerischen Braunschweig,
Stefan




Beate
Dienstag, 27. Oktober 2009 um 13:01 | Kommentar melden.
Hab euch schon in der Zeitung entdeckt, lieber Stefan :-)
Das mit dem “die Eltern mischen sich ein” kenne ich auch. Aber seht es mal so – ihr werdet wohl länger leben als sie (wenn man vom “normalen” Lauf der Natur ausgeht) und spätestens dann müsste ihr doch auch alleine zurecht kommen – warum denn nicht gleich??
Frag sie das mal! Ich hab das meine Eltern gefragt und gesagt, dass ich gerne ihre Hilfe annehme, wenn ich sie brauche. Aber das ständige Einmischen stört doch eure Beziehung und ihr müsst einfach beide am selben Strang ziehen.
Und wenn es knallt, weil die Eltern das nicht einsehen, dann knallt es eben mal. Aber im Endeffekt ist es doch so: ihr seid auch alleine schon “groß geworden” – das ist EUER Leben und nicht das der Eltern!
Die haben ihr eigenes Leben, um das sie sich kümmern sollten…
Ich habe viel mit meiner Mutter wegen solcher Dinge gestritten, mein Therapeut hat mir dann geholfen, bei solchen “Streitgesprächen” sicherer zu werden.
Natürlich sind die Sorgen der Eltern verständlich – wer weiß, wie wir als Eltern mal sind?
Ich schicke euch ganz viel Kraft und Stärke, um das so durchzustehen, dass auf beiden Seiten ein besseres Verständnis herrscht.
Beate
Dienstag, 27. Oktober 2009 um 13:04 | Kommentar melden.
“Sicherer” im Streitgespräch meint nicht, dass ich die Oberhand behalte, sondern dass ich z.b. auch eine gegenteilige Meinung gelten lasse, meine eigene aber auch so darlege, dass sie verständlich für den anderen ist.
Wichig ist immer, sich in den anderen “hinein zu fühlen” – für euch genaus, wie für die Schwiegereltern.
“Was würdest Du in meiner Situation tun?”
Lass Dich mal von jemandem beraten, der euch da evtl. wieder auf einen “geraden” Weg hilft..
Stefan
Dienstag, 27. Oktober 2009 um 19:12 | Kommentar melden.
Liebe Beate,
Deine Worte in Gottes Ohren!
Sicherlich ist hier Hilfe von “dritter Stelle” angebracht. … weil hier 2 Sturköpfe aufeinander knallen: Nicole und ihr Vater … ich sage nur: ehemaliger Direktor einer Realschule und Ratsausschuss-Vorsitzender eines niedersächsischen Kurortes … Man könnte auch sagen: er klebt an der Macht …! :-O
Selbst die konsultierte Psychotherapeutin ist, nach mehrmaligen Gespräch mit den Eltern (beides pensionierte Lehrer), mit ihrem Latein am Ende. Und auch bei Nicole sind schon einiges festgefahrene Verhaltensweisen (sogenannte Spurrillen) im Disput mit ihren Eltern zu verzeichnen.
Zusammen mit der Psychotherapeutin, meiner Psychotherapeutin und meiner Person versuchen wir diesen “Gordischen Knoten” ;-) immer wieder zu lösen, aber … irgendwie … hilft anscheinend nur die Zeit …
LGe Stefan